Swiss Hospitality Hub
Sprache und Gäste

Mitarbeiter spricht kaum Deutsch. Ein Plan für die ersten 30 Tage

Swiss Hospitality Hub · Aktualisiert am 8. August 2026 · 6 Minuten Lesezeit

Ohne gemeinsame Sprache durch die ersten Wochen. Ein konkreter Plan mit Sicherheitsinstruktion, Patensystem und den passenden Kursen für das Gastgewerbe.

Ein neuer Mitarbeiter bekommt im Hotelkorridor einen laminierten Etagenplan erklärt

In 30 Tagen lernt niemand fliessend Deutsch. Realistisch ist etwas anderes und es reicht für den Anfang. Eine verstandene Sicherheitsinstruktion in der ersten Woche, ein fester Pate im Team, 20 bis 30 sichere Arbeitsphrasen und die Anmeldung für einen branchenbezogenen Sprachkurs, den der L-GAV bezahlt. Dieser Artikel zeigt den Plan Woche für Woche.

Die neue Mitarbeiterin steht am ersten Tag in der Lingerie und versteht weder den Dienstplan noch die Einführung. Der Küchenmitarbeiter nickt bei der Brandschutzinstruktion höflich, hat aber kein Wort verstanden. Wer im Schweizer Gastgewerbe einstellt, kennt diese Situation. Sie ist kein Randfall, sondern Alltag in einer Branche, die ohne internationale Mitarbeitende nicht funktioniert.

Die gute Nachricht steht selten in Ratgebern. Für die ersten 30 Tage braucht es kein Sprachwunder. Es braucht ein System, das mit sehr wenig gemeinsamer Sprache funktioniert und gleichzeitig den Grundstein legt, damit aus wenig Deutsch in einer Saison brauchbares Deutsch wird.

Woche 1. Sicherheit geht vor Grammatik

Bevor irgendjemand Vokabeln lernt, muss eine Sache sitzen. Die Sicherheitsinstruktion. Das ist keine Empfehlung, sondern Pflicht. Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass alle Mitarbeitenden die Gefahren und Schutzmassnahmen an ihrem Arbeitsplatz kennen und verstehen, unabhängig von ihrer Sprache.1

Die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS empfiehlt für fremdsprachige Mitarbeitende zwei Dinge, die sich sofort umsetzen lassen. Piktogramme und Bilder statt Textwüsten, und eine sprachkundige Kollegin oder ein Kollege, die bei der Instruktion übersetzen.1 Die Suva stellt dafür durchgehend bebilderte Merkblätter und Lernprogramme bereit, die ohne Deutschkenntnisse funktionieren.2

Wenn in der ersten Woche nur eines gelingt, dann das. Die Person weiss, wo der Feuerlöscher hängt, was bei einem Unfall zu tun ist und wen sie im Notfall wie erreicht. Alles andere kann warten.

Woche 2. Ein Pate wirkt mehr als jedes Handbuch

Der wirksamste Einzelschritt im Onboarding kostet nichts. Eine feste Ansprechperson im Team, die sich in den ersten Wochen kümmert. Microsoft hat das mit 660 neuen Mitarbeitenden untersucht. Wer einen Onboarding-Buddy hatte, war nach 90 Tagen um 36 Prozent zufriedener mit dem Einstieg. Und je öfter sich die beiden trafen, desto schneller fühlte sich die neue Person produktiv.3

Im Hotel heisst das konkret. Der Pate muss nicht die gleiche Muttersprache haben, das hilft aber. Wichtiger ist, dass die Rolle offiziell ist und Zeit dafür eingeplant wird. Ein kurzes Gespräch pro Schicht reicht. Was war heute unklar, welches Wort hat gefehlt, was steht morgen an.

Woche 3. Phrasen statt Grammatik

Der grösste Fehler in den ersten Wochen ist der Griff zum klassischen Lehrbuch. Wer bei „der, die, das” beginnt, hat nach einem Monat Artikel gepaukt und kann immer noch keinen Gast begrüssen.

Die Schweiz hat für dieses Problem ein eigenes System. fide, das offizielle Programm des Staatssekretariats für Migration, arbeitet szenariobasiert. Gelernt wird nicht Grammatik, sondern die konkrete Situation. Ein Zimmer melden, das noch nicht gereinigt ist. Einem Gast sagen, dass man die Kollegin holt. Für das Gastgewerbe gibt es einen eigenen fide-Kurs mit Szenarien aus Küche, Service, Housekeeping und Réception, entwickelt von Hotel & Gastro formation Schweiz.4

Der für Hoteliers wichtigste Satz dazu steht im Kleingedruckten des Gesamtarbeitsvertrags. Für Mitarbeitende, die dem L-GAV unterstellt sind, ist dieser Kurs subventioniert und der Betrieb erhält für die Kurstage eine Ausfallentschädigung. Über 2000 Personen schliessen die L-GAV-Weiterbildungen pro Jahr ab.5

Wo steht Ihr Team sprachlich wirklich? Unser Einstufungstest zeigt es in drei Minuten, anonym und ohne Anmeldung. Das Ergebnis hilft auch bei der Kurswahl ausserhalb unseres Programms.

Einstufungstest starten

Woche 4. Ehrliche Erwartungen setzen

Wie schnell geht Deutsch wirklich? Die internationalen Richtwerte sind ernüchternd und befreiend zugleich. Für ein komplettes Niveau A1 rechnen Goethe-Institut und Cambridge mit rund 60 bis 150 Lernstunden, für A2 kumuliert mit 150 bis 260 Stunden.6 Bei drei Stunden pro Woche dauert der Weg zu A1 also mehrere Monate, nicht 30 Tage.

Befreiend ist diese Zahl, weil sie den Druck rausnimmt. Niemand muss nach einem Monat Sätze bilden können. Was nach 30 Tagen mit einem szenariobasierten Ansatz realistisch ist, sind 20 bis 30 sichere Arbeitsphrasen, von der Begrüssung über die Rückfrage bis zu dem Satz, mit dem man höflich Hilfe holt, statt zu raten. Das verändert den Arbeitsalltag bereits spürbar, für die Person selbst und für das Team.

+36 %zufriedener beim Einstieg nach 90 Tagen mit festem Onboarding-Buddy (Microsoft, 660 Mitarbeitende)
60–150 Std.Richtwert für ein komplettes Niveau A1 laut Goethe-Institut und Cambridge
2000+Abschlüsse pro Jahr in den L-GAV-subventionierten Weiterbildungen des Gastgewerbes

Der 30-Tage-Plan im Überblick

  • Tag 1 bis 7. Sicherheitsinstruktion mit Piktogrammen und Übersetzungshilfe. Notfallnummern und Fluchtwege sitzen. Dienstplan wird erklärt, nicht nur ausgehändigt.
  • Tag 8 bis 14. Pate ist benannt und hat Zeit im Dienstplan. Tägliches Kurzgespräch. Erste zehn Arbeitsphrasen, aufgeschrieben und geübt.
  • Tag 15 bis 21. Anmeldung für einen szenariobasierten Kurs, beim L-GAV-Angebot oder einem saisonbegleitenden Programm. Phrasenliste wächst mit dem echten Arbeitsalltag mit.
  • Tag 22 bis 30. Erstes Standortgespräch. Was klappt schon auf Deutsch, wo braucht es weiter die Kollegin. Erwartungen für die Saison festhalten.

Der Plan verlangt vom Betrieb keine Sprachschule im Haus, sondern Struktur. Sprache lernt sich dort am besten, wo sie gebraucht wird. Die deutsche Bundesevaluation der Berufssprachkurse kommt zum gleichen Befund. Kurse verbessern das Deutsch messbar, ihre Wirkung entfalten sie aber vor allem dann, wenn das Gelernte direkt am Arbeitsplatz vorkommt.7 Genau darauf ist unser 16-Wochen-Saisonprogramm aufgebaut, mit Präsenzunterricht in Arosa und Übungen aus dem Hotelalltag.

Muss ich für die Sicherheitsinstruktion einen Dolmetscher bezahlen?

Nein. Die EKAS empfiehlt Piktogramme und sprachkundige Mitarbeitende aus dem eigenen Team als Übersetzungshilfe. Entscheidend ist, dass die Person die Instruktion nachweislich verstanden hat, nicht die Form.

Reicht eine Übersetzungs-App für den Anfang?

Für einzelne Begriffe ja, und für den Notfall ist sie besser als Raten. Ein Ersatz für Phrasen, die sitzen, ist sie nicht. Wer im Gästekontakt erst tippen muss, verliert genau die Sekunden, in denen Souveränität entsteht.

Was kostet der fide-Kurs für das Gastgewerbe?

Für L-GAV-unterstellte Mitarbeitende ist der Kurs subventioniert. Der Betrieb erhält zusätzlich eine Ausfallentschädigung für die Kurstage. Details stehen beim L-GAV und bei Hotel & Gastro formation Schweiz.

Quellen und Zahlen

  1. EKAS, Broschüre „Unfall kein Zufall” (6294) und Gefährdungsermittlung (6233), 2017/2020. ekas.admin.ch
  2. Suva, „Ausbildung und Instruktion im Betrieb” (66109) und bebilderte Lernprogramme. suva.ch
  3. Klinghoffer, Young, Haspas, „Every New Employee Needs an Onboarding Buddy”, Harvard Business Review, 2019. hbr.org
  4. fide, Szenarien und Sprachnachweise (fide-info.ch); fide-Sprachkurs Gastronomie/Hotellerie, Hotel & Gastro formation Schweiz. hotelgastro.ch
  5. L-GAV, Medienmitteilung „Weiterbildung inklusive”, Konditionen 2026, September 2025. l-gav.ch
  6. Cambridge English, Guided Learning Hours; Goethe-Institut, Kursstufen-Richtwerte. support.cambridgeenglish.org, goethe.de
  7. BMAS-Forschungsbericht 635, Evaluation der berufsbezogenen Deutschsprachförderung, 2024. iaw.edu