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Saison und Team

Saisonstart ohne Chaos. So planen Sie das sprachliche Onboarding für die Wintersaison

Swiss Hospitality Hub · Aktualisiert am 8. August 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Vom Spätsommer bis zum ersten Gast. Der Zeitplan für Bewilligungen, Unterkunft und sprachliches Onboarding in der Wintersaison.

Zwei Mitarbeitende tragen im Spätherbst Terrassenstühle in ein Berghotel, erster Schnee auf den Dächern

Die Wintersaison beginnt für das Team im Dezember, für die Planung im August. Wer Bewilligungen, Unterkunft und das sprachliche Onboarding rückwärts vom Saisonstart plant, erspart sich die chaotische erste Woche, in der neue Mitarbeitende ohne Instruktion und ohne ein Wort Deutsch vor den ersten Gästen stehen. Hier ist der Zeitplan.

Die Schweizer Wintersaison ist kein Nebengeschäft. 18,5 Millionen Logiernächte zählte das Bundesamt für Statistik zwischen November und April der Saison 2024/25, ein Rekordwert.1 Getragen wird dieses Geschäft zu einem grossen Teil von Menschen, die nicht mit Deutsch aufgewachsen sind. Rund die Hälfte der Beschäftigten im Gastgewerbe hat einen ausländischen Pass, der höchste Anteil aller Branchen.2

Für die Personalplanung heisst das, dass sprachliches Onboarding kein Spezialfall für einzelne Neue ist. Es betrifft in vielen Betrieben die halbe Belegschaft, und es hat ein hartes Zeitfenster. Die amerikanische HR-Vereinigung SHRM schätzt seit Jahren, dass rund die Hälfte der Mitarbeitenden im Stundenlohn eine neue Stelle innerhalb der ersten 120 Tage wieder verlässt.3 Bei einer Saison von 16 Wochen sind 120 Tage nicht die Anfangsphase. Sie sind die ganze Saison.

18,5 Mio.Logiernächte in der Wintersaison 2024/25, Rekord laut BFS
~50 %der Beschäftigten im Schweizer Gastgewerbe sind ausländische Staatsangehörige
120 Tagein dieser Frist verlässt laut SHRM rund die Hälfte der Stundenlohn-Mitarbeitenden eine neue Stelle wieder

August und September. Rekrutieren und Fristen klären

Saisonstellen mit Antritt im November oder Dezember werden in der Branchenpraxis ab Spätsommer ausgeschrieben. Wer jetzt rekrutiert, sollte die administrative Seite gleich mitplanen, denn die Fristen sind klar geregelt. Für EU- und EFTA-Angehörige mit Einsätzen bis 90 Tage gilt das Meldeverfahren, die Meldung muss spätestens am Tag vor Arbeitsbeginn erfolgen. Für die typische Wintersaison von Dezember bis April braucht es die Kurzaufenthaltsbewilligung L, beantragt vor Stellenantritt.4

In dieser Phase lohnt sich auch die erste sprachliche Weiche. Wer bei der Anstellung fragt, wie es um das Deutsch steht, kann Kursplätze reservieren, bevor die Saison alle Kapazitäten frisst. Ein anonymer Einstufungstest vor der Anreise dauert drei Minuten und macht aus dem Bauchgefühl eine Planungsgrundlage.

Oktober. Unterkunft und Lernplan stehen

Die Personalunterkunft ist im Landes-Gesamtarbeitsvertrag geregelt. Artikel 29 des L-GAV erlaubt für das Mitarbeiterzimmer einen Lohnabzug von höchstens 345 Franken pro Monat und verlangt ein abschliessbares Einzelzimmer mit Tageslicht.5 Wer das im Oktober organisiert hat, erspart sich Diskussionen in der Ankunftswoche.

Gleichzeitig gehört der Lernplan in den Dienstplan. Ein fester Kurstag pro Woche, eingetragen bevor die ersten Dienstpläne geschrieben werden, überlebt die Saison. Ein Kurstermin, der jede Woche neu verhandelt wird, stirbt im ersten Weihnachtsstress. Die Erfahrung hinter dieser Regel ist banal und hart zugleich. Was im Dienstplan steht, findet statt.

November. Die Ankunftswoche entscheidet

Jetzt kommen die Leute an, oft mit Koffer, Vertrag und wenig mehr. Die Anmeldung bei der Wohngemeinde steht an, die Zimmer werden bezogen, und im Betrieb beginnt das eigentliche Onboarding. Die Reihenfolge der ersten Tage haben wir in einem eigenen Artikel beschrieben, vom Sicherheitsgesetz bis zum Paten-System. Kurzfassung für die Saisonplanung. Sicherheitsinstruktion mit Bildern und Übersetzungshilfe zuerst, dann ein fester Pate im Team, dann die ersten Arbeitsphrasen.6 Details im Beitrag über die ersten 30 Tage.

Zur Einordnung, warum sich dieser Aufwand rechnet. Die Brandon Hall Group kam 2015 zum Ergebnis, dass strukturiertes Onboarding die Bindung neuer Mitarbeitender um 82 Prozent verbessert.3 Die Zahl ist älter und amerikanisch, die Richtung deckt sich aber mit allem, was Schweizer Betriebe über chaotische Saisonstarts erzählen.

Dezember bis April. Rhythmus halten

Ab Saisonstart ist das Ziel nicht mehr Aufbau, sondern Rhythmus. Der wöchentliche Kurstag findet statt, auch in der Hochsaison. Das Standortgespräch nach 30 Tagen ist im Kalender. Und die Fortschritte werden sichtbar gemacht, weil nichts so motiviert wie der Moment, in dem der erste Gast ein Kompliment für das Deutsch macht.

Unser Saisonprogramm ist genau auf diesen Kalender gebaut. Die Wintersaison beginnt am 1. Dezember, mit wöchentlichem Präsenzunterricht in Arosa und einer Lernplattform für die Zeit zwischen den Schichten. Plätze lassen sich ab sofort reservieren.

Plätze für die Wintersaison sichern

Die Checkliste zum Abhaken

  • Bis Ende September. Verträge unterschrieben, Bewilligungsart geklärt (Meldeverfahren oder L-Bewilligung), Sprachstand abgefragt.
  • Bis Ende Oktober. Zimmer organisiert und L-GAV-konform, Kursplätze reserviert, Kurstag im Dienstplan-Raster eingeplant.
  • Ankunftswoche. Gemeinde-Anmeldung, verstandene Sicherheitsinstruktion, Pate benannt, Phrasenliste gestartet.
  • Ab Saisonstart. Wöchentlicher Kurstag, Standortgespräch nach 30 Tagen, Fortschritt sichtbar machen.
Ab wann sollte ich für die Wintersaison rekrutieren?

Eine Branchenstatistik dazu gibt es nicht. In der Praxis werden Saisonstellen mit Antritt im November oder Dezember ab Spätsommer ausgeschrieben. Fix sind dagegen die Fristen der Bewilligungen, die Meldung spätestens am Tag vor Arbeitsbeginn und die L-Bewilligung vor Stellenantritt.

Was darf ich für das Personalzimmer verlangen?

Der L-GAV erlaubt in Artikel 29 einen Abzug von höchstens 345 Franken pro Monat für das Zimmer. Verlangt werden ein abschliessbares Einzelzimmer mit Tageslicht. Bei Ferien oder Krankheit sind die Pauschalabzüge zu reduzieren.

Reicht es, mit dem Deutschkurs im Januar zu starten?

Möglich ist es, aber die teuerste Phase ist dann schon vorbei. Die meisten Missverständnisse, Frustmomente und Kündigungsgedanken fallen in die ersten Wochen. Wer den Kurs an den Saisonstart koppelt, nutzt genau dieses Fenster.

Quellen und Zahlen

  1. Bundesamt für Statistik, Beherbergungsstatistik Wintersaison 2024/25 (November bis April). bfs.admin.ch
  2. BFS/SEM-Analysen zum Ausländeranteil im Gastgewerbe, aufbereitet u. a. in htr.ch, „Das Gastgewerbe ist und bleibt ein Schmelztiegel der Kulturen”. htr.ch
  3. SHRM Foundation, „Onboarding New Employees: Maximizing Success” (Bauer); Brandon Hall Group, Onboarding-Studie 2015. shrm.org, brandonhall.com
  4. Kantonale Merkblätter zum Meldeverfahren EU/EFTA (Bern, Zürich) und zur Kurzaufenthaltsbewilligung L. weu.be.ch, zh.ch
  5. L-GAV des Gastgewerbes, Art. 29 Unterkunft und Verpflegung. l-gav.ch
  6. EKAS, Broschüren 6233/6294 zur Instruktion fremdsprachiger Mitarbeitender. ekas.admin.ch