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Was ein Austritt im Hotel wirklich kostet und welche Rolle die Sprache spielt

Swiss Hospitality Hub · Aktualisiert am 8. August 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Fluktuation kostet mehr, als in der Erfolgsrechnung steht. Was Studien über die Kosten pro Austritt zeigen und warum Sprache über das Bleiben mitentscheidet.

Hotelchefin mit Wochenplan an der hellen Rezeption mit Bergblick

Ein einzelner Austritt kostet ein Hotel je nach Rolle und Berechnungsmodell mehrere tausend bis mehrere zehntausend Franken. Der grösste Posten ist unsichtbar, nämlich der Produktivitätsverlust, bis die neue Person eingearbeitet ist. Und einer der unterschätzten Gründe, warum Mitarbeitende gehen, ist das Gefühl, im Betrieb sprachlich nicht anzukommen.

Wenn eine Servicemitarbeiterin kündigt, denkt man zuerst an das Inserat und die Einarbeitung der Nachfolge. Beides kostet, aber beides ist der kleinere Teil der Rechnung. Die Forschung der Cornell University hat die Kosten von Austritten in 33 amerikanischen Hotels aufgeschlüsselt und kam auf durchschnittlich 5864 Dollar pro Mitarbeitenden, bei komplexeren Rollen fast 10 000. Der interessanteste Befund steckt in der Aufteilung. 47 bis 68 Prozent dieser Kosten entstehen durch Produktivitätsverlust, also durch die Zeit, in der die neue Person noch nicht auf dem Niveau der alten arbeitet.1

Internationale HR-Benchmarks rechnen ähnlich. Gallup beziffert den Ersatz eines Mitarbeitenden auf 50 bis 200 Prozent des Jahresgehalts.2 Für die Hotellerie im deutschsprachigen Raum nennt die Beratung Kohl & Partner aus ihrer Projektarbeit 7400 bis 9900 Euro pro Abgang.3 Auf Schweizer Lohnniveau übersetzt landet man je nach Modell schnell bei 10 000 bis 30 000 Franken. Eine einzelne offizielle Schweizer Studienzahl dazu gibt es nicht, die Richtung ist über alle Quellen aber dieselbe. Ein Austritt ist teurer, als er sich anfühlt.

5864–9932 $Kosten pro Austritt in der Cornell-Untersuchung von 33 Hotels, je nach Komplexität der Rolle
47–68 %davon entfallen auf Produktivitätsverlust während der Einarbeitung
50–200 %eines Jahresgehalts kostet ein Ersatz laut Gallup

Warum das Gastgewerbe besonders betroffen ist

Die Schweiz führt keine laufende Fluktuationsstatistik pro Branche. Was das Bundesamt für Statistik aber ausweist, reicht für ein klares Bild. Das Gastgewerbe ist die Branche mit den meisten Stellenwechseln des Landes, mit einer Nettorotationsquote von 22 Prozent schon vor der Pandemie.4 Gesamtschweizerisch verliess 2024 knapp ein Fünftel aller Erwerbstätigen die Stelle innerhalb eines Jahres, das Gastgewerbe liegt traditionell darüber.4

Dazu kommt eine Entwicklung, die Verantwortliche ernst nehmen sollten. In einer Ipsos-Umfrage der Hotel & Gastro Union unter gut 2000 Berufsleuten gaben 18 Prozent an, einen Ausstieg aus der Branche zu erwägen. 2019 waren es noch 10 Prozent. Als Hauptgründe nennen die Befragten Lohn und Arbeitszeiten.5 An beidem kann ein einzelner Betrieb nur begrenzt drehen. Umso wichtiger werden die Faktoren, die er selbst in der Hand hat.

Was Sprache mit Bindung zu tun hat

Einer dieser Faktoren wird in Fluktuationsrechnungen fast nie aufgeführt. Ob sich jemand im Betrieb verstanden fühlt, im wörtlichen Sinn. Wer dem Teamgespräch nicht folgen kann, bei Gästen auf Ausweichrouten angewiesen ist und Instruktionen nur halb versteht, arbeitet dauerhaft unter Stress. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person die nächste Saison woanders verbringt, steigt.

Die Gegenrichtung ist messbar. Das Staatssekretariat für Migration und die OECD zählen Sprachkenntnisse zu den zentralen Erfolgsfaktoren der Arbeitsintegration in der Schweiz.6 Aus der Praxis kommen deutliche Signale. In einer Befragung von über 6000 Lernenden in amerikanischen Betrieben wollten 84 Prozent nach dem Sprachtraining beim Arbeitgeber bleiben, beim Hospitality-Konzern Sodexo waren 95 Prozent der Teilnehmenden eines Sprachprogramms sechs Monate später noch im Unternehmen.7 Das sind Praxiswerte ohne Kontrollgruppe, keine Laborstudien. Zusammen mit den Integrationsbefunden ergeben sie trotzdem ein konsistentes Bild. Wer in die Sprache seiner Leute investiert, investiert in deren Bleiben.

Wichtig für die eigene Rechnung. Die deutsche Bundesevaluation der Berufssprachkurse zeigt, dass Kurse das Deutsch messbar verbessern, ihre Wirkung auf den Arbeitsalltag aber davon abhängt, wie nah das Gelernte am Arbeitsplatz ist.8 Ein generischer Abendkurs in der Stadt bindet niemanden. Ein Programm, das Hotelalltag trainiert, schon eher.

Die Rechnung für Ihren Betrieb

Eine einfache Überschlagsrechnung genügt, um das Thema auf die Agenda zu bringen. Nehmen Sie die Zahl der Austritte der letzten Saison und multiplizieren Sie sie mit einem konservativen Satz, etwa der Hälfte eines Monatslohns mal sechs. Bei fünf Abgängen im Jahr steht dann eine fünfstellige Summe auf dem Papier, die in keiner Erfolgsrechnung als eigene Zeile auftaucht. Verglichen damit ist jede Massnahme günstig, die auch nur einen dieser Abgänge verhindert.

Für die Diskussion mit Direktion oder Verwaltungsrat haben wir die Zahlen und Quellen dieses Artikels in einem zweiseitigen Business Case zusammengefasst.

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Sprachförderung ist dabei kein Wundermittel und ersetzt weder faire Löhne noch planbare Dienstpläne. Sie ist der Hebel, der einem Saisonbetrieb bleibt, wenn Lohnrunden und Arbeitszeitmodelle ausgereizt sind. Wie ein sprachliches Onboarding in den ersten 30 Tagen konkret aussieht, zeigt unser Artikel Mitarbeiter spricht kaum Deutsch. Und wie das über eine ganze Saison funktioniert, steht im Programm.

Gilt die oft zitierte Fluktuation von 70 bis 80 Prozent auch für die Schweiz?

Diese Zahl stammt aus der amerikanischen Arbeitsmarktstatistik für den Hospitality-Sektor. Für die Schweiz gibt es keine offizielle Entsprechung. Belegt ist, dass das Gastgewerbe die Branche mit den meisten Stellenwechseln der Schweiz ist.

Woher kommt die Spanne von 10 000 bis 30 000 Franken pro Austritt?

Sie ist aus internationalen Studien auf Schweizer Lohnniveau hergeleitet, aus der Cornell-Untersuchung, den Gallup-Benchmarks und den Projektwerten von Kohl & Partner. Eine eigene Schweizer Primärstudie mit Frankenbetrag existiert nach unserer Recherche nicht.

Senkt ein Sprachkurs die Fluktuation garantiert?

Nein, eine Garantie gibt es nicht und die Studienlage ist ehrlich gemischt. Belegt sind bessere Sprachkenntnisse durch berufsbezogene Kurse und hohe Bleibequoten in Praxisprogrammen. Sprachförderung wirkt als Teil eines fairen Gesamtpakets, nicht als Ersatz dafür.

Quellen und Zahlen

  1. Cornell Center for Hospitality Research, „The Cost of Employee Turnover”, Report Vol. 6 No. 15, 2006. ecommons.cornell.edu
  2. Gallup, „This Fixable Problem Costs U.S. Businesses $1 Trillion”, 2019.
  3. Kohl & Partner, „Mitarbeiterfluktuation in der Hotellerie”. kohl-partner.at
  4. Bundesamt für Statistik, „Die berufliche Mobilität in der Schweiz” (2019) und Berufliche Mobilität 2024. bfs.admin.ch
  5. Hotel & Gastro Union / Ipsos, Mitgliederbefragung zu Branchenausstieg, 2021/2022. hotelgastrounion.ch
  6. Bundesrat/SEM, Medienmitteilung zur OECD-Integrationsstudie, 2023/2024. admin.ch
  7. Newsweek zu EnGen-Befragung, 2025; Sodexo-Programm „Sed de Saber”, Praxisbericht. newsweek.com
  8. BMAS-Forschungsbericht 635, Evaluation der berufsbezogenen Deutschsprachförderung, 2024. iaw.edu